Fenster sind ein zentrales Element jedes Hauses – sie sorgen für Licht, schützen vor Wind und Wetter und tragen maßgeblich zum Wohnkomfort bei. Doch nur richtig eingestellte Fenster halten dicht und verhindern Zugluft oder unnötigen Energieverlust. Ein wichtiger Faktor dabei ist der sogenannte Anpressdruck: Er bestimmt, wie fest der Fensterflügel gegen den Rahmen gepresst wird. Meist wird der Anpressdruck über sogenannte Pilzzapfen oder Rollzapfen eingestellt.
Doch was tun, wenn Ihr Fenster keine solchen Zapfen hat? In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie den Anpressdruck auch ohne Zapfen optimal einstellen können, welche Alternativen es gibt und worauf Sie achten sollten.
Was ist der Fenster-Anpressdruck und warum ist er wichtig?
Der Anpressdruck bezeichnet die Kraft, mit der der Fensterflügel beim Schließen gegen die Dichtung im Rahmen gedrückt wird. Ist der Druck zu niedrig, zieht es durch das Fenster, Feuchtigkeit kann eindringen und der Schallschutz leidet. Ist der Druck zu hoch, werden die Dichtungen übermäßig belastet, das Fenster lässt sich schwerer schließen und kann schneller verschleißen.
Die optimale Einstellung sorgt für:
- Dichte Fenster ohne Zugluft
- Schutz vor Feuchtigkeit und Schimmel
- Langlebigkeit der Dichtungen und Beschläge
- Komfort beim Öffnen und Schließen
Fenster ohne Zapfen – gibt es das wirklich?
Ja! Besonders ältere Fenster, aber auch manche moderne Modelle, haben keine einstellbaren Pilz- oder Rollzapfen. Stattdessen kommen andere Mechanismen zum Einsatz, etwa:
- Exzenterbänder oder Scherenlager
- Verstellbare Schließbleche
- Einstellbare Scharniere oder Bänder
- Druckeinstellung über den Fenstergriff
Das bedeutet: Auch ohne Zapfen lässt sich der Anpressdruck beeinflussen – nur eben auf andere Weise.
Wie erkenne ich, ob mein Fenster Zapfen hat?
Zapfen sind meist kleine, runde oder ovale Metallstifte am Fensterflügel, die beim Schließen in die Schließbleche am Rahmen greifen. Sie sind oft mit einem Schlitz oder einer Markierung versehen, sodass sie mit einem Inbusschlüssel, Schraubendreher oder per Hand verstellt werden können. Fehlen diese Stifte, handelt es sich um ein zapfenloses System.
Methoden zur Einstellung des Anpressdrucks ohne Zapfen
1. Einstellung über Scherenlager oder Exzenterbänder
Viele Kunststoff- und Holzfenster verfügen über sogenannte Scherenlager am oberen Fensterflügel. Hier kann der Anpressdruck über eine Exzenterschraube eingestellt werden:
- Öffnen Sie das Fenster komplett.
- Suchen Sie am oberen Scherenlager nach einer Schraube mit Exzenterfunktion (meist mit einem Inbusschlüssel zu verstellen).
- Durch Drehen der Schraube verändert sich die Position des Flügels zum Rahmen – der Anpressdruck wird erhöht oder verringert.
- Testen Sie nach jeder kleinen Verstellung das Schließen und die Dichtigkeit des Fensters.
2. Verstellbare Schließbleche
Manche Fenster haben statt verstellbarer Zapfen verstellbare Schließbleche am Rahmen:
- Öffnen Sie das Fenster und suchen Sie am Rahmen nach Schließblechen mit Langlöchern oder exzentrischen Einstellmöglichkeiten.
- Lösen Sie die Schrauben leicht, verschieben oder drehen Sie das Schließblech, und ziehen Sie die Schrauben wieder an.
- Prüfen Sie die Wirkung durch Schließen des Fensters.
3. Einstellung über die Bänder (Scharniere)
Vor allem bei älteren oder einfacheren Fenstern kann der Anpressdruck über die Bänder geregelt werden:
- Am unteren und oberen Band finden Sie oft Inbus- oder Schlitzschrauben.
- Durch Drehen dieser Schrauben wird der Fensterflügel näher an den Rahmen gezogen oder davon wegbewegt.
- Auch hier gilt: Kleine Veränderungen, immer wieder prüfen!
4. Einstellung über den Fenstergriff
Bei einigen Fenstertypen beeinflusst die Stellung des Griffs den Anpressdruck. Probieren Sie, den Griff beim Schließen etwas fester nach unten zu drücken. Bei manchen Modellen gibt es auch eine sogenannte „Winterstellung“, bei der der Griff in einer bestimmten Position den Flügel stärker anpresst.

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Woran erkenne ich, dass der Anpressdruck optimal ist?
- Das Fenster lässt sich leicht, aber mit etwas Widerstand schließen.
- Es zieht nicht, auch bei windigem Wetter.
- Die Dichtung ist gleichmäßig leicht eingedrückt, aber nicht gequetscht.
- Beim „Blattpapiertest“ (ein Blatt Papier zwischen Flügel und Rahmen einlegen und Fenster schließen): Das Papier lässt sich mit etwas Kraft, aber nicht ganz leicht herausziehen.
Typische Fehler und wie man sie vermeidet
- Zu hoher Anpressdruck: Die Dichtungen werden gequetscht, das Fenster lässt sich schwer schließen, die Mechanik leidet.
- Zu niedriger Anpressdruck: Zugluft, Feuchtigkeit, schlechtes Schallschutzverhalten.
- Ungleichmäßige Einstellung: Prüfen Sie alle Seiten des Fensters, nicht nur eine Stelle!
Wann sollten Sie einen Fachmann rufen?
- Wenn das Fenster trotz aller Versuche nicht dicht wird.
- Bei ungewöhnlichen Geräuschen oder schwergängigem Öffnen/Schließen.
- Wenn Sie unsicher sind, welche Schrauben oder Mechanismen Sie verstellen dürfen.
- Bei sehr alten Fenstern, die möglicherweise ausgetauscht werden sollten.
Fazit: Auch ohne Zapfen lässt sich der Anpressdruck einstellen
Fenster ohne Zapfen sind kein Grund, auf dichte und komfortable Räume zu verzichten. Mit ein wenig handwerklichem Geschick und dem richtigen Werkzeug lässt sich der Anpressdruck auch über Scherenlager, Schließbleche oder Bänder optimal einstellen. Wer regelmäßig prüft und wartet, spart Energie, schützt seine Fenster und sorgt für ein angenehmes Raumklima – ganz ohne Zugluft und Feuchtigkeit.
Tipp: Für professionelle Tipps rund um Fensterwartung, Pflege und Einstellung lohnt sich ein Blick in die Herstelleranleitung oder die Beratung durch einen Fensterbauer. So bleiben Ihre Fenster viele Jahre dicht und funktionstüchtig.