Für viele Menschen ist ihr eigenes Haus mehr als nur eine Immobilie. Es steht gleichsam für eigene Aufbauleistung, für Familie und Kontinuität. Genau das macht die Entscheidung schwer. Von außen betrachtet folgt jede Immobilie jedoch den Zyklen des Marktes, den Instandhaltungskosten und den persönlichen Lebenszyklen.
Psychologie des Aufschiebens im Eigenheim
Immobilieneigentümer schätzen ihre künftige Belastbarkeit oft zu hoch und den Aufwand des späteren Umzugs zu gering ein. Solange Dach, Heizung und Fassade erst einmal funktionieren, drängt sich kein Handlungsdruck auf. Dabei verändert sich die eigene Ausgangslage schleichend. Wer dann erst zum Umzug schreitet, wenn der eigene Körper schon durchaus erheblich mitmacht, der trifft Entscheidungen in einem Zeitdruck, der so nicht ideal sein kann. Jetzt geht es weniger um die beste Lösung, sondern mehr um die schnellste.
Jetzt wird oft sehr kurzfristig organisiert, zum Beispiel über einen Seniorenumzug in Hannover oder auch anderen Städten, weil das Zeitfenster zwischen Übergabe, Renovierung und Einzug kaum groß genug ist. Das ist nicht „falsch“, aber es stellt Optionen in Bezug auf die neue Wohnlage oder den Preis unter Umständen sehr viel schlechter. Dennoch spielt auch der Status quo Effekt mit.
Man lebt in der eigenen Situation sicher, selbst wenn sich objektive Nachteile einstellen. Ein weiterer Mechanismus kommt dazu. Wer jahrzehntelang alles selbst gemacht hat, der denkt an die früheren Belastungsgrenzen. Wer erst spät das Nachlassen der eigenen Kräfte ernst nimmt, wird sehen, wie sich der Haushalt anpasst: Räume werden nicht mehr gebraucht, der Garten wird kleiner gehalten, Reparaturen bleiben liegen und das Haus wird im Alltag „zu groß“.
Die wirtschaftliche Realität eines zu spät verkauften Hauses
Ein Einfamilienhaus produziert laufende Kosten, gleichgültig wie stark man es auch immer in Anspruch nimmt. Instandhaltungsrichtwerte liegen, je nach Baujahr, zumeist bei etwa ein bis zwei Prozent des Gebäudewertes pro Jahr. Bei einem Einfamilienhaus mit einem Wert von 500.000 Euro sind das also rechnerisch 5.000 bis 10.000 Euro pro Jahr. Die Zahl ist keine exakte Rechnung, aber sie zeigt die Größe an.
Häuser werden mit dem Alter schadensanfälliger, und je älter, desto wahrscheinlicher werden größere Investitionen wie Dach, Heizung, Fassade. Wer den Verkaufszeitpunkt auf die Zeit nach solchen Investitionen legt, kann den Erfolg nicht garantieren, weil der Kaufpreis diese Ausgaben nicht gewichten kann. Auch der Käufer rechnet. Wenn eine Modernisierung neu ist und schick aussieht, aber nicht zur Bewohnerstruktur passt, kann sie zu einem Verkaufshemmer werden.
Der Zeitfaktor beim Wechsel des Wohnortes
Ein späterer Verkauf verkürzt die Zeit, die man für den Umzug planen kann. Das wirkt sich auch auf Organisation, Wohnungssuche und Kaufverhandlungen aus. Eigentümer, die frühzeitig beschließen, können Übergabetermine, Kaufpreiszuflüsse und Einzüge gut organisieren.
Ein ganz entscheidender Punkt ist die Haushaltsauflösung. In einem Familienhaus ist nicht nur viel Mobiliar, sondern sind auch noch Tausende Dinge selbstverständlich: Werkzeuge und Ersatzteile, Aktenordner und Fotoalben, Dachbodenspeicher und Kellerlager. Das ist kein „Gerümpel“, das ist Material aus Jahrzehnten. Eine schnelle Reduktion ist nie gut. Zu früh wird alles, was uns nicht gleich nützlich erscheint, weggeschmissen, Wichtiges wird übersehen, und am Ende kommen doch die Kartons ins Lager, weil keiner Zeit und Nerven hatte, sie zu sortieren. Kostet alles viel Geld und nervt.
Erfahrungsgemäß ist der Wohnwechsel viel leichter zu schaffen, solange beide Mobilität und Entscheidungskraft nicht eingeschränkt sind. Die Reduktion eines Hausstandes, der über Jahre gewachsen ist, kostet viel Arbeit und Überblick. Wer diese Arbeit mit 65 tut, tut sie aus einer ganz anderen Machtfülle heraus als mit 80.
Das Eigenheim bindet Vermögen. Solange es selbst bewohnt wird, produziert es keine laufende Rendite, sondern macht nur Kosten. Bei einem Verkauf wird Kapital freigestellt, das in kleinere, barrierefreie Wohnungen, in Pflegevorsorge oder weniger gebundenen Rücklagen angelegt werden kann. Das ist für viele der Kern. Es geht nicht um „Haus behalten oder nicht mehr“, es geht um die Frage, ob Vermögen aktiv nutzbar sein soll oder gebunden bleibt.